Pädiatrische Notfallstruktur

Akute Pankreatitis

Strukturierte Übersicht zur akuten Pankreatitis im Kindesalter mit klinischer Relevanz, Ursachen, Leitsymptomen, Diagnostik, intensivmedizinischem Erstmanagement, Komplikationen und Pankreaspseudozyste.

Oberbauchschmerz Rückenausstrahlung Trauma Medikamente Pseudozyste

Schnellübersicht

  • Akute Pankreatitis kann schwer und intensivpflichtig verlaufen
  • Typisch: linker Oberbauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken
  • Heftiges Erbrechen, Fieber, Aszites und paralytischer Ileus sind möglich
  • Stumpfes Bauchtrauma ist eine wichtige Ursache
  • Medikamentenanamnese gezielt erheben
  • Pankreaspseudozyste typischerweise nach freiem Intervall
Wichtiger Hinweis: Die akute Pankreatitis im Kindesalter kann rasch schwer verlaufen. Bei ausgeprägtem Oberbauchschmerz, schlechtem Allgemeinzustand, paralytischem Ileus, hohem Fieber, Aszites oder posttraumatischer Konstellation ist eine engmaschige Überwachung erforderlich.
Klinisch relevant

1. Vorbemerkung

Die akute Pankreatitis ist im Kindesalter eine seltenere, aber potenziell sehr schwere Ursache des akuten Abdomens und kann intensivpflichtig verlaufen.

Warnsituation

Schweregrad

Aktion: Bei klinischem Verdacht frühzeitig an engmaschige Überwachung und höheres Versorgungsniveau denken.

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Die akute Pankreatitis wird als Erkrankung mit hoher Letalität beschrieben. Deshalb sollte die Behandlung bei schwerer Ausprägung auf einer Intensiv- oder Überwachungseinheit erfolgen.

Warnsituation

Posttraumatische Form nicht übersehen

Aktion: Nach stumpfem Bauchtrauma und insbesondere Lenkerverletzung immer auch an eine Pankreatitis denken.

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Besonders betont wird, dass die posttraumatische Pankreatitis nach stumpfem Bauchtrauma oft nicht erkannt wird. Gerade bei passender Verletzungsanamnese muss die Schwelle zur gezielten Diagnostik niedrig sein.

Ursachen

2. Ätiologie

Die Ursachen sind im Kindesalter breit gefächert und umfassen idiopathische, traumatische, medikamentöse, systemische, hereditäre und biliäre Auslöser.

Trauma und postoperative Konstellationen

Aktion: Stumpfes Bauchtrauma, Pankreasruptur und seltene postoperative Auslöser systematisch erfassen.

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Als wichtige Auslöser werden stumpfes Bauchtrauma, Pankreasruptur mit sofortigem oder verzögertem Verlauf und selten eine postoperative Genese genannt. Gerade bei abdomineller Lenkerverletzung ist diese Differenzialdiagnose besonders wichtig.

Medikamente

Aktion: Eine gezielte Medikamentenanamnese erheben.

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Beschrieben werden unter anderem Corticosteroide, ACTH, L-Asparaginase, Chlorothiazide, Salazosulfapyridin und Tetracycline. Ergänzend werden in den pädiatrischen Akut-Abdomen-Texten auch Azathioprin, Mesalazin und Steroide als wichtige Hinweise in der Medikamentenanamnese hervorgehoben.

Systemische und hereditäre Ursachen

Aktion: Grunderkrankungen und familiäre Belastungen gezielt abfragen.

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Genannt werden Mumps, Mukoviszidose, Hyperparathyreoidismus, Diabetes mellitus, Hepatitis, Lupus erythematodes, Polyarteriitis nodosa, terminale Nierenerkrankungen, schwerer Eisenmangel, ausgedehnte Verbrennungen, intraabdominelle Sepsis sowie hereditäre Hyperlipidämie und Aminoazidurie.

Biliäre und mechanische Abflussstörungen

Aktion: Auch seltene Galle-Abflussstörungen und biliäre Ursachen mitdenken.

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Beschrieben werden intrapankreatische Duplikaturen, Pancreas anulare, Papillenstenose, Choledochuszyste, intrakanalikuläre Tumoren, intrapankreatisches Lymphangiom sowie sekundär Cholelithiasis und Askariden als Ursachen.

Leitsymptome

3. Leitsymptome

Die akute Pankreatitis präsentiert sich typischerweise mit schwerem Allgemeinbefall und charakteristischem Oberbauchschmerz.

Klinisch wichtig

Schmerzcharakter

Aktion: Auf konstanten epigastrischen oder linken Oberbauchschmerz mit Rückenausstrahlung achten.

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Typisch ist ein konstanter Schmerz im Epigastrium oder im linken Oberbauch, der in den Rücken ausstrahlen kann. Der Schmerz kann gürtelförmig erscheinen, sich im Liegen verstärken und in die linke Skapula ausstrahlen.

Klinisch wichtig

Begleitsymptome

Aktion: Heftiges Erbrechen, Fieber, Aszites, paralytischen Ileus und generalisierte Abwehrspannung aktiv erfassen.

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Die Erkrankung kann mit sehr schlechtem Allgemeinzustand innerhalb weniger Tage, hochfieberhaftem Verlauf, Aszites, paralytischem Ileus und generalisierter Abwehrspannung einhergehen. Das Abdomen kann sich klinisch als Trommelbauch und bretthart präsentieren.

Diagnostik

4. Diagnose

Die Diagnosesicherung stützt sich auf Labor, Thorax- und Abdomenbefunde sowie auf sonographische und schnittbildgebende Verfahren.

Labor

Aktion: Pankreasenzyme, Blutbild, Glukose und Kalzium systematisch bestimmen.

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Beschrieben werden deutlich erhöhte Serumwerte der Pankreasenzyme, Leukozytose mit Linksverschiebung, intermittierende Hyperglykämie und Glukosurie. Hypokalzämie gilt als prognostisch ungünstiges Zeichen. Bei Pseudozysten bleiben Amylase in Serum und Urin sowie Lipase erhöht.

Röntgenbefunde

Aktion: Thorax- und Abdomenübersicht als ergänzende diagnostische Hinweise nutzen.

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Im Thorax können Zwerchfellhochstand links und Pleuraerguss links nachweisbar sein. Im Abdomen werden Spiegelbildungen und gelegentlich Verkalkungen im Pankreasbereich beschrieben.

Sonographie, CT und MR

Aktion: Das Pankreas morphologisch beurteilen und den Verlauf kontrollieren.

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Beschrieben wird eine aufgelockerte Gewebestruktur des Pankreas. Sonographie, CT und MR dienen außerdem der Verlaufskontrolle und dem Ausschluss beziehungsweise Nachweis einer Pankreaspseudozyste. In einem der ergänzenden Akut-Abdomen-Texte wird CT bei suspekter Pankreatitis als besonders leistungsfähig beschrieben.

Initiales Management

5. Therapie

Das Erstmanagement ist intensiv orientiert und kombiniert Sekretionshemmung, Nahrungskarenz, Volumen- und Elektrolytausgleich, Antibiotikatherapie und je nach Verlauf operative Maßnahmen.

Warnsituation

Basismaßnahmen

Aktion: Magensonde, absolute Nahrungskarenz, Monitoring, Einfuhr-Ausfuhr-Kontrolle und sorgfältige Flüssigkeits- sowie Elektrolytsubstitution einleiten.

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Genannt werden Magensonde zur Dämpfung des Sekretionsreizes, strikte Nahrungskarenz, engmaschige Kreislaufkontrolle, Bilanzierung per Blasenkatheter und gezielte Substitution, besonders von Kalzium.

Warnsituation

Medikamentöse Therapie

Aktion: Bei schwerem Verlauf antiinfektive und intensivmedizinische Therapie frühzeitig einleiten.

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Beschrieben werden Breitspektrum-Antibiotika nach Blutkultur oder Peritonealabstrich sowie Somatostatin. Zusätzlich werden parenterale Ernährung und Intensivmonitoring erwähnt.

Warnsituation

Operative Maßnahmen

Aktion: Bei Nekrosen, Abszessen oder schweren Komplikationen operative Sanierung erwägen.

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Genannt werden Entfernung von Pankreasnekrosen, Abszesssanierung, Einlage mehrerer Drainagen, möglichst Milzerhalt sowie erweiterte intensivmedizinische Therapie. Die chirurgische Strategie richtet sich nach Komplikationsgrad und Allgemeinzustand.

Komplikationen

6. Komplikationen

Komplikationen können die akute Erkrankung erheblich verschärfen und sind teils lebensbedrohlich.

Akute hämorrhagische Pankreasnekrose

Aktion: Bei klinischer Verschlechterung an nekrotisierenden Verlauf denken.

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Beschrieben werden Leber- und Niereninsuffizienz, Sepsisgefahr, Mesenterialthrombose und abdominelle Blutungsgefahr als schwere Folgekonstellationen der akuten hämorrhagischen Pankreasnekrose.

Weitere schwere Verläufe

Aktion: Organinsuffizienz, Sepsis und Blutungskomplikationen aktiv überwachen.

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Die klinische Dynamik kann sich rasch verschlechtern. Gerade bei persistierendem Fieber, Schockneigung, zunehmendem Aszites, Organfunktionsstörung oder laborchemischer Verschlechterung muss von einem komplizierten Verlauf ausgegangen werden.

Spätkomplikation

7. Pankreaspseudozyste

Die Pankreaspseudozyste ist eine wichtige Komplikation, besonders nach Trauma, und kann erst nach einem freien Intervall klinisch auffallen.

Typischer Verlauf

Aktion: Nach freiem Intervall bei erneutem Oberbauchbeschwerdebild gezielt an eine Pseudozyste denken.

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Typisch ist ein freies Intervall zwischen der akuten Pankreatitis und der späteren Manifestation der Pankreaspseudozyste. Diese tritt besonders nach traumatischer Pankreatitis auf.

Klinische Hinweise

Aktion: Sicht- oder tastbaren Oberbauchtumor, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen einordnen.

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Beschrieben werden ein sicht- oder tastbarer Oberbauchtumor, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen. Laborchemisch bleiben Amylase in Serum und Urin sowie Lipase im Serum häufig erhöht.

Diagnosesicherung und Therapie

Aktion: Sonographie, CT oder MR zur Sicherung einsetzen; bei persistierender Zyste Drainage oder Zystojejunostomie erwägen.

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Als Verfahren zur Diagnosesicherung werden Sonographie, CT und MR genannt. Therapeutisch beschrieben werden die Drainage der Pseudozyste nach außen oder eine Zystojejunostomie mit Roux-Y-Anastomose.

Akute Pankreatitis