Pädiatrische Notfallstruktur

Gastrointestinale Blutungen

Strukturierte Übersicht zu gastrointestinalen Blutungen im Kindesalter mit altersbezogener Einteilung, typischen Ursachen, Diagnostik, endoskopischer Abklärung, chirurgischen Konsequenzen und wichtigen Differenzialdiagnosen.

Neugeborene 1–12 Monate 1–2 Jahre > 2 Jahre Endoskopie

Schnellübersicht

  • Die meisten GI-Blutungen im Kindesalter sind nicht massiv
  • Immer zunächst Gerinnungsstörungen ausschließen
  • Die Ursachen unterscheiden sich deutlich nach Alter
  • Bei rektaler Blutung gehört die proktologische oder koloskopische Abklärung früh in die Planung
  • Massive Hämatemesis nach dem 2. Lebensjahr: an Ösophagusvarizen denken
  • Persistierende unklare Blutungen können eine explorative Laparoskopie erfordern
Wichtiger Hinweis: Auch wenn viele gastrointestinale Blutungen im Kindesalter nicht massiv sind, müssen Hämodynamik, Gerinnung und Alter des Kindes von Beginn an mitbedacht werden. Die Diagnostik wird im Kindesalter ausdrücklich altersbezogen aufgebaut.
Grundlage

1. Vorbemerkung

Gastrointestinale Blutungen im Kindesalter werden diagnostisch altersbezogen beurteilt. In vielen Fällen bleibt genug Zeit für eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung.

Basisprinzip

Initiale Grundregel

Aktion: Immer zunächst Blutgerinnungsstörungen und gegebenenfalls Faktor-XIII-Mangelzustände ausschließen.

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Der Text betont ausdrücklich, dass die meisten gastrointestinalen Blutungen im Kindesalter nicht massiv verlaufen. Dadurch bleibt oft Zeit für strukturierte Diagnostik. Gerinnungsstörungen dürfen jedoch initial nie übersehen werden.

Basisprinzip

Vier Altersgruppen

Aktion: Die Ursache der Blutung immer im Kontext des Alters interpretieren.

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Die Diagnostik wird in vier Altersgruppen gegliedert: Neugeborene, 1 bis 12 Monate, 1 bis 2 Jahre und älter als zwei Jahre. Diese Einteilung steuert die Priorisierung der Ursachen sehr deutlich.

Neugeborene

2. Gastrointestinale Blutungen im Neugeborenenalter

Im Neugeborenenalter stehen verschlucktes Blut, Schleimhautläsionen, Volvulus, nekrotisierende Enterokolitis und Fissuren im Vordergrund.

Typische Ursachen

Aktion: Verschlucktes Blut, Gastritis, Magenerosionen, Malrotation mit Volvulus, nekrotisierende Enterokolitis und Fissuren differenzieren.

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Als Vorbemerkung wird häufig auf Vitamin-K-Mangel bei voll gestillten Kindern hingewiesen. Zusätzlich wird die Konakion-Gabe hervorgehoben. Frühgeborene und Kinder mit schlechtem Apgar-Score neigen laut Text zu Stressgastritis.

Stuhlfarbe richtig deuten

Aktion: Farbe und Beimengung des Blutes zur Differenzierung nutzen.

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Dunkle, bluttingierte und oft schleimige Stühle sprechen eher für nekrotisierende Enterokolitis oder Volvulus und gehen meist mit Schmerzen einher. Hellrotes, nicht mit dem Stuhl vermischtes Blut spricht eher für eine Fissur.

Diagnostik und Therapie

Aktion: Bei starker Hämatemesis endoskopisch peptisches Ulkus ausschließen; Fissuren und NEC gezielt behandeln.

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Beschrieben werden Antazida in kleiner Dosierung bei Stressgastritis, endoskopische Abklärung bei starker Hämatemesis, antibiotische und parenterale Therapie bei nekrotisierender Enterokolitis sowie milde Laxantien, rektale Dehnung oder chirurgische Versorgung bei Fissuren.

1 bis 12 Monate

3. Gastrointestinale Blutungen im Alter von 1 bis 12 Monaten

In dieser Altersgruppe dominieren Ösophagitis, Schleimhautläsionen des Magens und die Invagination als wichtige Ursache der Blutung.

Typische Ursachen

Aktion: Ösophagitis, Gastritis, Magenerosionen, Magenulkus und Invagination vorrangig prüfen.

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Die Ösophagitis ist in diesem Alter meist Folge eines gastroösophagealen Refluxes. Zusätzlich bleibt die Invagination eine wichtige Differenzialdiagnose, wenn Blutung und Bauchschmerz kombiniert auftreten.

Diagnostik

Aktion: Endoskopie, pH-Metrie, Manometrie und Kontrastdarstellung gezielt einsetzen.

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Beschrieben werden Ösophagoskopie, Gastroskopie, intraösophageale pH-Bestimmung zur Refluxdiagnostik, Manometrie, endoskopische Beurteilung und Kontrastdarstellung der Speiseröhre zum Ausschluss einer Zwerchfellhernie. Bei rektaler Blutung soll eine Rektoskopie erfolgen.

Therapie

Aktion: Die Ursache konservativ oder chirurgisch beseitigen, je nach zugrunde liegender Diagnose.

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Der Text fasst die Behandlung für diese Altersgruppe knapp zusammen: Ziel ist die kausale Therapie des auslösenden Krankheitsbildes, also zum Beispiel Refluxbehandlung, Schleimhauttherapie oder Behandlung der Invagination.

1 bis 2 Jahre

4. Gastrointestinale Blutungen im 1. bis 2. Lebensjahr

In dieser Altersgruppe treten peptische Ulzera, Polypen und das Meckel-Divertikel besonders in den Vordergrund.

Peptische Ulzera

Aktion: Bei Blutung im 1. bis 2. Lebensjahr peptische Ulzera mit extragastrointestinalen Auslösern mitdenken.

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Für peptische Ulzera werden als Ursachen besonders Verbrennungen, Corticoid-Therapie, Leukämie und Sepsis genannt. Diagnostisch steht die Endoskopie im Vordergrund.

Polypen und Meckel-Divertikel

Aktion: Bei rektaler Blutung früh an Polypen und Meckel-Divertikel denken.

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Bei Polypen werden Proktoskopie bzw. Koloskopie und wenn möglich transrektale Abtragung empfohlen. Zusätzlich soll ein Meckel-Divertikel mittels Laparoskopie ausgeschlossen werden.

Therapeutische Konsequenzen

Aktion: Bei massiver Blutung und Teerstuhl ohne Verzögerung chirurgisch mitdenken.

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Beschrieben werden Antazida und H2-Antagonisten. Bei massiven Blutungen und Teerstühlen wird ausdrücklich eine unverzügliche explorative Laparoskopie genannt. Polypen sollen in toto entfernt und histologisch untersucht werden; Knipsbiopsien sollen vermieden werden.

Nach dem 2. Lebensjahr

5. Gastrointestinale Blutungen nach dem 2. Lebensjahr

Nach dem zweiten Lebensjahr werden Ösophagusvarizen, Polypen, entzündliche Darmerkrankungen, Trauma und Morbus Schönlein-Henoch besonders wichtig.

Warnsituation

Ösophagusvarizen

Aktion: Bei massiver Hämatemesis immer auch an eine Ösophagusvarizenblutung denken.

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Ösophagusvarizen treten laut Text häufig nach Portalvenenthrombose auf. Das erste Symptom ist oft eine massive Hämatemesis. In der körperlichen Untersuchung können Splenomegalie, starke Bauchvenenzeichnung und Hämorrhoiden auffallen.

Warnsituation

Diagnostik bei älteren Kindern

Aktion: Endoskopie, Bildgebung der Speiseröhre und Laborwerte gezielt kombinieren.

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Für diese Altersgruppe werden Ösophagoskopie, Röntgendarstellung der Speiseröhre sowie Laborwerte wie Transaminasen, Gamma-GT, LDH und Gerinnung genannt. Bei rektaler Blutung soll insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren eine Koloskopie zum Ausschluss einer familiären Polyposis intestini erfolgen.

Warnsituation

Therapie und engmaschige Kontrolle

Aktion: Bluttransfusion und endoskopische Therapie je nach Blutungsquelle rasch einleiten.

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Beschrieben werden Bluttransfusion, gegebenenfalls Sklerosierung der Ösophagusvarizen und danach engmaschige endoskopische Kontrollen. Zusätzlich sollen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa histologisch abgegrenzt werden.

Merkpunkte

6. Differenzialdiagnosen und wichtige Zusatzpunkte

Persistierende oder nicht sicher zuzuordnende Blutungen verlangen eine erweiterte Diagnostik.

Parasiten und persistierende Blutung

Aktion: Bei anhaltender unklarer Blutung auch an parasitäre Ursachen denken und invasiver abklären.

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Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, generell Parasiten wie Amöben und Helminthen auszuschließen. Patienten mit persistierenden, konservativ nicht zu diagnostizierenden Blutungen sollen einer explorativen Laparoskopie zugeführt werden.

Endoskopische Notfallabklärung

Aktion: Die Blutungsquelle im oberen oder unteren Gastrointestinaltrakt endoskopisch gezielt lokalisieren.

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Im Kapitel zur pädiatrischen Notfallendoskopie werden für Blutungen des oberen Gastrointestinaltrakts die Identifikation, Lokalisation, Blutstillung und Biopsieentnahme genannt; für das untere Gastrointestinalsystem entsprechend die endoskopische Lokalisation und Blutstillung.

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