Liebe Eltern,

Eine elektive Behandlung von Kindern mit chronischen Bauchschmerzen ist im Kindernotfallzentrum leider NICHT möglich.

Hier möchten wir Sie herzlich bitten, einen AMBULANTEN TERMIN über die jeweiligen Spezialambulanzen zu vereinbaren.

Ambulanzen

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Ambulanzen der Kinder- und Jugendmedizin

Chronische Bauchschmerzen bei Kindern
Chronische Bauchschmerzen

Chronische Bauchschmerzen bei Kindern

Strukturierte Übersichtsseite zur differenzierten Abklärung chronischer und rezidivierender Bauchschmerzen im Kindes- und Jugendalter – mit Red Flags, Rome-Kriterien, fokussierter Basisdiagnostik, somatischen Differenzialdiagnosen und funktionellen Beschwerdebildern.

Kurzüberblick

  • Die meisten Fälle sind funktionell.
  • Red Flags müssen früh geprüft werden.
  • Basisdiagnostik soll schlank, aber vollständig sein.
  • Bei unauffälligem Befund ohne Warnzeichen: Diagnostik aktiv beenden.
Wichtiger Hinweis: Chronische oder rezidivierende Bauchschmerzen im Kindesalter sind häufig. In der Mehrzahl der Fälle liegt keine erfassbare organische Ursache vor. Gleichzeitig müssen Warnzeichen, somatische Differenzialdiagnosen und altersabhängige Besonderheiten frühzeitig erkannt werden.

Red Flags / Alarmsymptome

Warnzeichen für eine organische Genese chronischer Bauchschmerzen sollten bereits zu Beginn systematisch erfasst werden.

Alarmsymptome und klinische Zeichen
Schmerzen abseits des Nabels
Ausstrahlung der Schmerzen
Anhaltende Beschwerden im rechten Ober- oder Unterbauch
Schluckbeschwerden / Sodbrennen
Schwere oder nächtliche Diarrhö
Sichtbares Blut im Stuhl / Hinweis auf GI-Blutverlust
Unklares Fieber / unerklärliches Fieber
Unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 10 %
Wachstumsstörung / eingeschränktes Körperwachstum
Leistungsknick
Nächtliche, den Patienten weckende Schmerzen
Rezidivierendes Erbrechen
Auffälliger Untersuchungsbefund mit Resistenz, Hepato-/Splenomegalie, Abwehrspannung
Perianale/anale Veränderungen wie Marisken, Fissuren, Fisteln
Arthritis
Auffälligkeiten beim Wasserlassen
Verzögerte Pubertät / Pubertas tarda
Gynäkologische Auffälligkeiten, Dysmenorrhö, ausbleibende Menstruation
Positive Familienanamnese für CED, Zöliakie oder peptische Ulzera
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannten Referenzen für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Familienanamnese und anamnestische Kernfragen

Familienanamnese

Gezielt erfragen

  • Gastroösophagealer Reflux
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten / Allergien
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Infektiöse Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Andere relevante Erkrankungen, z. B. Tuberkulose
  • Funktionelle Störungen
  • Psychiatrische Erkrankungen
Anamnese

Kernfragen

  • Beginn und Häufigkeit der Beschwerden
  • Dauer, Intensität und Charakter
  • Lokalisation: periumbilikal, epigastrisch, Ober-/Unterbauch, Quadrant
  • Bezug zu Mahlzeiten, Tageszeit oder Defäkation
  • Veränderung an Wochenenden / Feiertagen
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Stuhlgewohnheiten: Frequenz, Konsistenz, Blut, Schleim
  • Begleitsymptome: Erbrechen, Sodbrennen, Flatulenz, Fieber, Kopfschmerz, Gelenkschmerz
  • Psychosoziale Stressfaktoren, Schule, Freizeit, Familie

Mit Bauchschmerzen assoziierte funktionelle gastrointestinale Störungen bei Kindern (> 4 Jahre) und Jugendlichen

Die folgende Webdarstellung orientiert sich an Rome IV-Kriterien.

Rome IV – strukturierte Darstellung
Funktionelle Dyspepsie
  1. Persistierender oder wiederkehrender Schmerz bzw. Unwohlsein mit Schwerpunkt im oberen Abdomen / oberhalb des Nabels
  2. Keine Erleichterung durch Defäkation
  3. Nicht mit Änderung der Stuhlfrequenz oder Stuhlkonsistenz assoziiert
  4. Kein ausreichender Hinweis auf entzündliche, anatomische, metabolische oder neoplastische Prozesse
Funktionelle Bauchschmerzen – nicht anders spezifiziert
  1. Intermittierender oder kontinuierlicher Bauchschmerz
  2. Der Schmerz tritt nicht nur bei physiologischen Vorgängen auf
  3. Unzureichende Kriterien für Reizdarmsyndrom, funktionelle Dyspepsie oder abdominelle Migräne
  4. Keine vollständige Erklärung durch eine andere medizinische Erkrankung nach sachgemäßer Diagnostik
  5. Die Kriterien bestehen seit mindestens 2 Monaten vor Diagnosestellung
Reizdarmsyndrom
  1. Abdominelle Schmerzen an mindestens 4 Tagen pro Monat
  2. Der Schmerz ist mit einem oder mehreren der folgenden Zeichen assoziiert:
  • a) Bezug zur Defäkation
  • b) Änderung der Stuhlfrequenz
  • c) Änderung der Stuhlkonsistenz / -beschaffenheit
  1. Kinder mit Obstipation, bei denen der Schmerz mit Besserung der Obstipation nicht verschwindet, können unter diese Kategorie fallen
  2. Nach sachgemäßer Diagnostik keine vollständige Erklärung durch eine andere Erkrankung
  3. Kriterien seit mindestens 2 Monaten erfüllt
Abdominelle Migräne
  1. Anfallsartige Episoden intensiver, akuter periumbilikaler, mittiger oder diffuser Bauchschmerzen
  2. Dauer der Episoden typischerweise mindestens 1 Stunde
  3. Zwischen den Episoden Phasen normaler Gesundheit über Wochen bis Monate
  4. Der Schmerz beeinträchtigt die normalen Alltagsaktivitäten deutlich
  5. Stereotype Schmerzcharakteristik und Symptomkonstellation
  6. Schmerz mit mindestens zwei der nebenstehenden Symptome assoziiert:
  • a) Inappetenz
  • b) Übelkeit
  • c) Erbrechen
  • d) Kopfschmerz
  • e) Lichtscheu
  • f) Blässe
  1. Ausschluss organischer Ursachen
Funktionelle Verstopfung im Kindes- und Jugendalter

Mindestens 2 der folgenden Kriterien müssen bei einem Kind mit > 4 Jahren nach Ausschluss eines Reizdarmsyndroms erfüllt sein:

  • ≤ 2 Defäkationen pro Woche
  • Mindestens 1 Episode von Inkontinenz pro Woche nach primärem Kontinenzerwerb
  • Vorgeschichte mit exzessiver Stuhlretention
  • Vorgeschichte mit schmerzhafter Stuhlentleerung
  • Nachweis großer Stuhlmassen im Rektum
  • Vorgeschichte von großkalibrigem Stuhlgang mit Toilettenobstruktion
Hinweis zur Anwendung
  • Diese Darstellung ist für die klinische Web-Nutzung strukturiert.
  • Sie ersetzt keine vollständige Originalklassifikation.
  • Die Kriterien sollen immer zusammen mit Anamnese, Untersuchung und Basisdiagnostik bewertet werden.
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannte Referenz für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Klinische Untersuchung, Basisdiagnostik und erweiterte Diagnostik

Abdomen und Becken

  • Resistenz
  • Hepatomegalie / Splenomegalie
  • Distension
  • Charakter der Darmgeräusche
  • Druckschmerz
  • Inspektorische und palpatorische Beurteilung von Anus, Sphinkter ani und Rektum

Auffälligkeiten anderer Organsysteme

  • Cor: Vitium cordis
  • Pulmo: Asthma bronchiale, hyperreagibles Bronchialsystem
  • Haut: Neurodermitis, Ekzeme, Blutungen
  • Schilddrüse: Struma
  • Skelett: rheumatologische Erkrankungen, Spina bifida occulta
  • Neurologie: Hirntumor, neurologische Defizite
  • Körpermaße: Körperlänge, Körpergewicht
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannte Referenz für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Blut und Urin

  • Blutbild / Differenzialblutbild
  • CRP oder BSG
  • GPT / ALAT
  • γ-GT
  • Lipase
  • Kreatinin
  • Elektrolyte
  • Glukose / Blutzucker
  • TSH, ggf. fT4
  • IgA, ggf. IgE
  • Transglutaminase-IgA
  • Urinstatus / Urinstix

Stuhl, Sonographie, Atemtests

  • Stuhl auf Parasiten: Giardia lamblia, Dientamoeba fragilis
  • Stuhl auf Würmer
  • Fäkale Inflammationsmarker, z. B. Calprotectin
  • Abdomensonographie
  • H2-Atemtest auf Fruktose
  • H2-Atemtest auf Laktose
  • Alternativ probatorischer Diätversuch
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannte Referenz für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Klinisch-chemisch

  • Bilirubin
  • Eisen, Ferritin, CK
  • ANA
  • ANCA
  • ASCA
  • LKM
  • SLA
  • SMA
  • LC-1-Antikörper
  • RAST / spezifische IgE gegen Nahrungsmittel
  • Serologien, z. B. Yersinien

Technisch / Stuhl / Urin

  • 13C-Harnstoff-Atemtest
  • Weitere Atemteste
  • Urinkultur / Urinmikroskopie
  • Stuhl-pH, Fett, Blut
  • Pankreaselastase
  • Laktoferrin
  • Calprotectin
  • Clostridientoxin
  • Lamblienantigen
  • Weitere infektiöse Agenzien
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannte Referenz für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.
  • Kein Screening auf Helicobacter pylori im Stuhl bei chronischen Bauchschmerzen
  • Keine ungezielte MRT-/CT-Diagnostik
  • Kein Kontrasteinlauf ohne klare Fragestellung
  • Keine unnötige Endoskopie
  • Keine Mikrobiomanalysen als Routinediagnostik
  • Keine IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittelproteine
  • Keine isolierte DAO-Aktivitätsbestimmung

Differenzialdiagnosen

Allgemeine Einordnung

  • Oft anamnestisch nicht sicher zu erkennen
  • Ein volles Rektum / fäkale Retention kann chronische Bauchschmerzen erklären
  • Probatorische Macrogol-Therapie kann eine okkulte Obstipation demaskieren
  • Auch bei obstipationsdominiertem RDS klinisch relevant

Organische Ursachen der Obstipation

  • Anatomisch: Analstenose, anteriorer Anus, Tumormasse im Becken
  • Muskulär/Bindegewebe: Gastrochisis, Prune-Belly-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Metabolisch: Hypothyreose, Hyperkalzämie/Hypokaliämie, Zystische Fibrose, Diabetes mellitus, Zöliakie
  • Neurologisch: Rückenmarkanomalien, neurologische Defizite
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannte Referenz für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Symptomatik und Einordnung

  • Überlappung mit RDS häufig
  • Bauchschmerz, Meteorismus und Diarrhö sind unspezifisch
  • H2-Atemteste haben eingeschränkte Aussagekraft
  • Ein positiver Test beweist keine Kausalität

Diagnostisch

  • Auslassversuch bzw. probatorische Diät
  • Wasserstoffexhalationstest / H2-Atemtest
  • Keine unkritische Diagnose einer Histaminintoleranz
  • DAO-Aktivität allein nicht ausreichend

Zöliakie / CED

  • Zöliakie: einmalige serologische Abklärung mit Gesamt-IgA und Transglutaminase-IgA
  • CED auch ohne klassische Symptomtrias möglich
  • Normale fäkale Inflammationsmarker sprechen deutlich gegen CED

Weitere DD

  • Parasiten / Würmer
  • Bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO)
  • Postenteritisches Syndrom
  • Rezidivierende Harnwegsinfektionen
  • Peptische Magen- und Duodenalerkrankungen
Diagnose
Charakteristika
Diagnostik
Allergische Nahrungsunverträglichkeiten / eosinophile Gastroenteritis-Kolitis
Atopieanamnese, Reaktionen auf Nahrungsmittel, ggf. Diarrhö; eosinophile Erkrankungen oft nur endoskopisch/histologisch beweisbar
Nahrungs- und Beschwerdetagebuch, gezielte Karenz/Exposition, ggf. IgE-AK, ggf. Endoskopie
Gallensteine
Kolikartige Beschwerden, teils Ikterus
Sonographie, ggf. Cholestaseparameter
Chronische / rezidivierende Pankreatitis
Heftige diffuse Beschwerden, Ausstrahlung in den Rücken, positive Familienanamnese
Lipase, Sonographie, ggf. genetische Diagnostik
Partielle Dünndarmobstruktion / Malrotation mit intermittierendem Volvulus
Rezidivierendes heftiges Erbrechen, starke Bauchschmerzen, selten Diarrhö
Dopplersonographie, Lage der Mesenterialgefäße, „Whirlpool sign“, ggf. MR-Enterographie
Dunbar-Syndrom
Vor allem postprandiale Bauchschmerzen durch Einengung des Truncus coeliacus
Dopplersonographie, ggf. MR-Angiographie
Nussknackersyndrom
Bauchschmerz und Hämaturie/Proteinurie, Verstärkung durch körperliche Aktivität
Dopplersonographie, Urinproteindifferenzierung, Erythrozytenmorphologie
Lymphadenitis mesenterialis
Unspezifische Symptome, ggf. Hinweis auf Infektion, Parasitose, CED oder eosinophile Erkrankung
Stuhl auf Parasiten, enteropathogene Keime, fäkale Inflammationsmarker
Akute intermittierende Porphyrie
Kolikartige Bauchschmerzen mit neurologischen und/oder psychiatrischen Symptomen
Porphyrine im Urin während der Attacke, ggf. genetische Untersuchung
Familiäres Mittelmeerfieber
Fieber, Serositis, Periodizität, Attacken über mehrere Tage, positive Familienanamnese
Labor während der Attacke, Sonographie von Abdomen/Pleura/Perikard, ggf. genetische Diagnostik
Harntransportstörungen / Ureterabgangsstenose / Urolithiasis
Bauch- oder Flankenschmerzen, oft nach Flüssigkeitsbelastung
Nierensonographie mit/ohne Belastung, Urinstatus
ACNES / chronischer Bauchwandschmerz
Lokalisierter Schmerz am lateralen Rand des M. rectus abdominis mit eng umschriebenem Areal
Klinische Untersuchung, Schmerzreduktion nach Lokalanästhetikum
Abdominelle Migräne
Paroxysmale Episoden intensiver periumbilikaler oder diffuser Schmerzen, dazwischen Beschwerdefreiheit, Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Lichtscheu, Blässe
Ausschluss organischer Ursachen
Diese Übersicht wurde in Anlehnung an die genannten Referenzen für die Webdarstellung strukturiert aufbereitet.

Therapie

1. Diagnosegespräch und positive Benennung der funktionellen Störung

  • Benigne Diagnose erklären
  • Ängste vor schweren Erkrankungen reduzieren
  • Darm-Hirn-Achse und Schmerzmechanismen erläutern
  • Auch funktionelle Bauchschmerzen sind real

2. Verhaltens- und psychologische Interventionen

  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Programme
  • Hypnotherapie / Entspannungsverfahren
  • Elternberatung: Ablenkung statt Verstärkung
  • Bauchschmerzkalender, Sport und Aktivierung

3. Ernährung und Medikamente zurückhaltend einsetzen

  • Keine pauschalen restriktiven Diäten
  • Diät nur bei klar nachvollziehbarer Indikation
  • Macrogol bei vermuteter oder übersehener Obstipation erwägen
  • Für viele medikamentöse Therapien keine gute Evidenz

4. Therapieresistente Verläufe

  • Überweisung in Spezialambulanz
  • Ggf. stationäre Beobachtung
  • Multimodale Schmerztherapie bei anhaltender starker Beeinträchtigung

Referenzen

Kullmer, U., & Gehring, S. (2012). Somatische Differenzialdiagnosen chronischer Bauchschmerzen. Monatsschrift Kinderheilkunde, 160(1), 32–39.

Claßen, M., Ortner, G. Chronische Bauchschmerzen in der Pädiatrie. Gastro-News 10, 47–52 (2023). https://doi.org/10.1007/s15036-023-3300-5

Ortner, G.R., Claßen, M. Chronische Bauchschmerzen bei Schulkindern. Monatsschr Kinderheilkd 170, 560–570 (2022). https://doi.org/10.1007/s00112-022-01485-w

Chronische Bauchschmerzen