Merkblatt für Eltern und Betreuungspersonen

Schädel-Hirn-Trauma / Hirnerschütterung

Liebe Eltern, liebe Betreuungspersonen,

Ihr Kind hat ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht, wenn durch einen Sturz oder Schlag auf den Kopf das Gehirn verletzt oder vorübergehend in seiner Funktion gestört wird. Dabei können nicht nur Haut und Schädel, sondern auch Blutgefäße und das Gehirn selbst betroffen sein.

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Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ist die häufigste und leichteste Form des SHT. Dabei kommt es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns, die sich in Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit äußern kann. In den allermeisten Fällen heilt eine Gehirnerschütterung ohne bleibende Folgen vollständig aus.
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Schwerere Formen können mit Bewusstseinsstörungen, Blutungen oder Brüchen des Schädels einhergehen und müssen im Krankenhaus behandelt werden.
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Es ist wichtig, dass Sie Ihr Kind in den nächsten Stunden und Tagen gut beobachten und ihm die notwendige Ruhe und Unterstützung geben.
👩‍⚕️ Ihr Team des Kindernotfallzentrums
UNIVERSITÄTSKLINIKUM BONN
Gehirnerschütterung
Beobachten
Ruhe geben
Warnzeichen erkennen
Bei Unsicherheit ärztlich vorstellen
Wichtig: Bitte Ihr Kind in den ersten 24 Stunden besonders aufmerksam beobachten.
Wichtig: Kein Sport, kein wildes Toben und keine starke körperliche Belastung, bis Ihr Kind wieder beschwerdefrei ist.
Wichtig: Wenn Beschwerden zunehmen oder neue Auffälligkeiten auftreten, bitte sofort ärztlich vorstellen.

Grundidee

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht nach einem Stoß, Schlag oder Sturz auf den Kopf. Dabei können Kopfhaut, Schädel, Blutgefäße und das Gehirn betroffen sein.

Gehirnerschütterung

Die Gehirnerschütterung ist die häufigste und leichteste Form. Sie führt meist zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns.

Wichtige Botschaft

In den meisten Fällen heilt eine Gehirnerschütterung vollständig und ohne bleibende Schäden aus. Das Gehirn braucht jetzt aber Ruhe, Zeit und Beobachtung.

Leichtes SHT

GCS 13–15

  • Kurzzeitige Bewusstseinsstörung oder Schwindel
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, manchmal einmaliges Erbrechen
  • Kind ist meist rasch wieder orientiert

Mittelschweres SHT

GCS 9–12

  • Deutlichere Bewusstseinstrübung
  • Mehrfaches Erbrechen
  • Stärkere Kopfschmerzen
  • Mögliche neurologische Auffälligkeiten

Schweres SHT

GCS ≤ 8

  • Tiefe Bewusstlosigkeit
  • Auffällige Pupillenreaktionen
  • Krampfanfälle oder schwere neurologische Ausfälle
  • Akut lebensbedrohlich

Was Kinder oft selbst angeben

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Licht- oder Lärmempfindlichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisprobleme
  • Müdigkeit

Was Eltern beobachten können

  • Erbrechen
  • Ungewöhnliche Müdigkeit oder Schläfrigkeit
  • Reizbarkeit oder Verlangsamung
  • Gangunsicherheit
  • Ungeschicklichkeit
  • Ungleiche Pupillen
  • Krampfanfälle

Wichtig

Nicht jedes einzelne Symptom bedeutet automatisch eine schwere Verletzung. Wenn Beschwerden stärker werden, neu dazukommen oder ungewöhnlich wirken, sollte Ihr Kind ärztlich kontrolliert werden.

Das hilft

  • Mindestens 24 Stunden aufmerksam beobachten
  • Ruhige Umgebung schaffen
  • Viel Schlaf und Erholung erlauben
  • Leichte Mahlzeiten und genug trinken
  • Regelmäßig ansprechen und Reaktion prüfen
  • Bei Unsicherheit lieber ärztlich nachfragen

Das bitte vermeiden

  • Kind nach dem Unfall nicht alleine lassen
  • Kein Sport und kein wildes Spielen
  • In den ersten 1–2 Tagen Bildschirmzeit möglichst reduzieren
  • Keine unnötigen Reize durch Lärm oder Hektik
  • Warnzeichen nicht ignorieren

Warum Ruhe so wichtig ist

Nach einer Gehirnerschütterung ist das Gehirn vorübergehend empfindlicher. Zu viele Reize oder zu frühe Belastung können Beschwerden verstärken oder verlängern.

Alarmzeichen

  • Wiederholtes oder anhaltendes Erbrechen
  • Starke oder zunehmende Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit oder schwer weckbar
  • Krampfanfälle
  • Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen
  • Unterschiedlich große Pupillen
  • Blut oder klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohr
  • Verwirrtheit, Apathie oder extremes auffälliges Verhalten

Was dann tun?

Tritt eines dieser Zeichen auf, bitte sofort den Notruf 112 wählen oder direkt in die nächste Notaufnahme fahren.

Warum sofort handeln?

Diese Zeichen können auf eine schwerere Kopfverletzung, eine Blutung oder erhöhten Hirndruck hinweisen.

Alltag / Schule / Kita

Die Rückkehr ist sinnvoll, wenn Ihr Kind sich wieder normal verhält und beschwerdearm oder beschwerdefrei ist.

Körperliche Belastung

Zunächst nur leichte Aktivitäten. Keine intensive Belastung, solange Beschwerden bestehen.

Sportpause

Mindestens 7 Tage nach vollständiger Beschwerdefreiheit und nur stufenweise zurückkehren.

Stufenweise Steigerung

  1. Leichte Bewegung
  2. Leichtes Training ohne Kontakt
  3. Intensiveres Training
  4. Rückkehr zum vollen Sport

Wichtig

Wenn erneut Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Müdigkeit auftreten: sofort Pause und gegebenenfalls ärztlich kontrollieren lassen.

🤕 Kopfschmerzen

Was ist das? Häufig in den ersten Tagen, verstärken sich oft durch Müdigkeit oder Stress.
Warum? Zeichen dafür, dass das Gehirn noch überfordert ist.
Wann geht es weg? Meist innerhalb weniger Tage, manchmal länger.
Tipps:
  • Schul- und Lernpensum reduzieren
  • Regelmäßige Pausen bei Hausaufgaben, Lesen und Spielen
  • Ruhige, ablenkungsfreie Umgebung schaffen
  • Kein Handy, kein Radio, kein TV im Hintergrund
  • Schmerzmittel nur sparsam und nach ärztlicher Rücksprache
  • Bei anhaltenden Kopfschmerzen Kinder- oder Hausarzt aufsuchen

😵 Schwindel

Was ist das? Unsicherheit beim Gehen oder Schwindel nach Positionswechseln.
Warum? Gleichgewichtsorgane und Gehirn arbeiten nach dem Unfall vorübergehend langsamer.
Wann geht es weg? Meist innerhalb der ersten Tage, selten länger als eine Woche.
Tipps:
  • Bewegungen langsamer ausführen
  • Schnelle Lagewechsel vermeiden
  • Sturzgefahr vermeiden
  • Wenn länger als eine Woche: Kinderarzt aufsuchen

😴 Müdigkeit

Was ist das? Deutlich erhöhtes Schlaf- und Ruhebedürfnis.
Warum? Das Gehirn benötigt viel Energie für die Erholung.
Wann geht es weg? Meist innerhalb weniger Tage.
Tipps:
  • Zusätzliche Ruhepausen oder Nickerchen zulassen
  • Abends frühere Schlafenszeiten einführen
  • Überforderung vermeiden

👀 Augenprobleme

Was ist das? Verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit.
Warum? Nicht die Augen selbst, sondern die Verarbeitung im Gehirn ist vorübergehend gestört.
Wann geht es weg? Normalerweise nach einigen Tagen.
Tipps:
  • Helles Licht meiden
  • Sonnenbrille bei Lichtempfindlichkeit tragen
  • Bildschirmzeit reduzieren

🔊 Lärmempfindlichkeit

Was ist das? Geräusche wirken ungewohnt laut und belastend.
Warum? Das Gehirn reagiert nach dem Trauma empfindlicher auf Reize.
Wann geht es weg? Meist innerhalb weniger Tage.
Tipps:
  • Ruhige Umgebung schaffen
  • Fernseher oder Radio im Hintergrund vermeiden
  • Stressarme Situationen bevorzugen

🐢 Verlangsamung

Was ist das? Ihr Kind braucht länger für Aufgaben und Antworten.
Warum? Die Informationsverarbeitung ist vorübergehend langsamer.
Wann geht es weg? Normalerweise innerhalb einer Woche.
Tipps:
  • Keine Zeitlimits setzen
  • Aufträge wiederholen
  • Geduld haben

📚 Konzentrationsschwierigkeiten

Was ist das? Probleme, sich zu fokussieren, oft verstärkt durch Müdigkeit.
Warum? Überlastung des Gehirns kann andere Symptome verstärken, zum Beispiel Kopfschmerzen.
Wann geht es weg? Meist innerhalb von 1–2 Wochen.
Tipps:
  • Keine Arbeiten mit hoher Konzentration oder Leistungsdruck
  • Regelmäßige Pausen, etwa alle 20 Minuten
  • Schulanforderungen vorübergehend reduzieren

📝 Vergesslichkeit

Was ist das? Hausaufgaben, Informationen oder Termine werden leichter vergessen.
Warum? Das Kurzzeitgedächtnis ist nach dem Trauma manchmal vorübergehend beeinträchtigt.
Wann geht es weg? Meist nach einigen Tagen bis Wochen.
Tipps:
  • Wichtige Dinge aufschreiben
  • Post-its oder Merkzettel nutzen
  • Erinnerungen im Handy einstellen

🤸 Erhöhte Ungeschicklichkeit

Was ist das? Unsicherheit beim Gehen, häufiger Anstoßen oder Dinge fallen lassen.
Warum? Bewegungs- und Gleichgewichtsimpulse werden langsamer verarbeitet.
Wann geht es weg? Normalisiert sich meist innerhalb einer Woche.
Tipps:
  • Dem Kind mehr Zeit geben
  • Sturz- und Unfallrisiken vermeiden
  • Nicht unter Druck setzen

💙 Emotionale Schwankungen

Was ist das? Reizbarkeit, plötzliche Traurigkeit oder Stimmungsschwankungen.
Warum? Nach dem Trauma ist die Emotionsregulation vorübergehend erschwert.
Wann geht es weg? Meist nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen.
Tipps:
  • Ruhe und Entspannung fördern
  • Viel Verständnis und Geduld zeigen
  • Druck vermeiden
  • Leichte Bewegung oder ruhiges Austoben je nach Befinden erlauben
Wichtig für Eltern: Die meisten Beschwerden sind vorübergehend und bessern sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Wenn Symptome deutlich länger anhalten, stärker werden oder neu dazukommen, bitte Kinderarzt oder Notaufnahme aufsuchen.

Beruhigend

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist bei Kindern meist leicht und heilt oft folgenlos aus.

Trotzdem wichtig

Die ersten 24 Stunden müssen besonders aufmerksam beobachtet werden.

Merksatz

Besser einmal zu viel ärztlich vorstellen als einmal zu wenig.

Gehirnerschütterung