Akutes Abdomen im Kindesalter
Überarbeitete Web-Struktur mit Red-Flag-Zeichen, chirurgischen Notfällen, altersabhängigen Differenzialdiagnosen, klinischer Einordnung, Untersuchung, Bildgebung, Erstmaßnahmen und ergänzenden Differenzialdiagnosen.
Schnellübersicht
- Galliges Erbrechen = Obstruktion bis zum Beweis des Gegenteils
- Plötzlicher stärkster Schmerz = Ischämie oder Torsion sofort ausschließen
- Abwehrspannung = Peritonitis, auch ohne Fieber ernst nehmen
- Bei jedem Jungen Hoden untersuchen
- Bei jugendlichem Mädchen immer auch Schwangerschaft und Ovarialtorsion mitdenken
- Ultraschall ist die initiale Bildgebung der Wahl
- Bei Inkarzeration, akutem Skrotum oder eindeutiger Klinik OP nicht verzögern
- Unklarer Verlauf erfordert Reevaluation statt vorschneller Entwarnung
1. Ersteinschätzung
Die erste Entscheidung lautet nicht Diagnose oder Nicht-Diagnose, sondern stabil oder instabil, red flags ja oder nein, sofort operativ gefährdet oder nicht.
Allgemeinzustand und Vitalparameter
Aktion: Allgemeinzustand, Bewusstseinslage, Hydratation, Kreislauf und Schmerzintensität unmittelbar beurteilen.
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Allgemeinzustand und Vitalparameter
Aktion: Allgemeinzustand, Bewusstseinslage, Hydratation, Kreislauf und Schmerzintensität unmittelbar beurteilen.
Ein schlechtes Allgemeinbefinden mit Blässe, Hypothermie oder Fieber, Tachykardie, Tachypnoe, Hypotonie, Oligurie oder Verwirrtheit spricht für ein potenziell lebensbedrohliches Geschehen. Das akute Abdomen ist eine klinische Diagnose; die frühe Triage entscheidet über Geschwindigkeit und Intensität der weiteren Versorgung.
ABCDE-orientiertes Vorgehen
Aktion: Instabile Kinder zuerst sichern, überwachen und parallel diagnostisch einordnen.
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ABCDE-orientiertes Vorgehen
Aktion: Instabile Kinder zuerst sichern, überwachen und parallel diagnostisch einordnen.
Bei Schock, Sepsis, massiver Blutung oder schwerer Obstruktion steht die Stabilisierung im Vordergrund. Venöser Zugang, Monitoring, Volumentherapie und rasche chirurgische Mitbeurteilung sind dann wichtiger als eine vollständige formale Differenzialdiagnose.
Frühe chirurgische Eskalation
Aktion: Bei galligem Erbrechen, Peritonitiszeichen, stärkstem Schmerz, Blut im Stuhl, signifikanter Distension oder Trauma sofort kinderchirurgisch vorstellen.
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Frühe chirurgische Eskalation
Aktion: Bei galligem Erbrechen, Peritonitiszeichen, stärkstem Schmerz, Blut im Stuhl, signifikanter Distension oder Trauma sofort kinderchirurgisch vorstellen.
Bildgebung darf eine notwendige Operation nicht verzögern, wenn die klinische Symptomatik bereits eindeutig auf eine notfallmäßige chirurgische Ursache hinweist.
2. Red-Flag-Zeichen
Diese Zeichen machen aus Bauchschmerzen eine zeitkritische Konstellation. Das Segment ist bewusst rot hervorgehoben.
Notfallrelevant
Galliges oder fäkulentes Erbrechen
Aktion: Immer als Warnsignal für Ileus oder hochgradige Obstruktion werten und die kinderchirurgische Abklärung nicht verzögern.
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Galliges oder fäkulentes Erbrechen
Aktion: Immer als Warnsignal für Ileus oder hochgradige Obstruktion werten und die kinderchirurgische Abklärung nicht verzögern.
Galliges Erbrechen ist beim akuten Abdomen ein zentrales Alarmsignal. Besonders beim Neugeborenen und Säugling muss bis zum Beweis des Gegenteils an einen Volvulus bei Malrotation gedacht werden. Auch bei weiter distal gelegener Obstruktion kann zunächst Übelkeit im Vordergrund stehen, bevor später galliges oder sogar kotiges Erbrechen auftritt.
Notfallrelevant
Plötzlicher stärkster Schmerz
Aktion: An Ischämie oder Torsion denken und zeitkritische Ursachen sofort ausschließen.
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Plötzlicher stärkster Schmerz
Aktion: An Ischämie oder Torsion denken und zeitkritische Ursachen sofort ausschließen.
Ein abrupt einsetzender Vernichtungsschmerz spricht besonders für ein Ischämieereignis oder eine Torsion. Dazu passen vegetative Begleitsymptome wie Blässe, Kaltschweißigkeit, Erbrechen, Angst und starker Bewegungsdrang. Wichtige Differenzialdiagnosen sind Volvulus, Invagination, Ovarialtorsion und Hodentorsion.
Notfallrelevant
Abwehrspannung / Peritonitiszeichen
Aktion: Immer als Ausdruck eines fortgeschrittenen intraabdominellen Prozesses behandeln.
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Abwehrspannung / Peritonitiszeichen
Aktion: Immer als Ausdruck eines fortgeschrittenen intraabdominellen Prozesses behandeln.
Eine Abwehrspannung spricht für Peritonitis. Bei Säuglingen, hypotrophen oder neurologisch beeinträchtigten Kindern kann sie jedoch schwach ausgeprägt sein. Fehlende Abwehrspannung schließt deshalb ein akutes Abdomen nicht sicher aus. Ruhiges Liegen mit angezogenen Beinen, flache Atmung und Schmerzverstärkung bei Bewegung passen zusätzlich zu einer peritonealen Reizung.
Notfallrelevant
Blutiger Stuhl
Aktion: Ischämie, Invagination oder schwere Entzündung abklären.
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Blutiger Stuhl
Aktion: Ischämie, Invagination oder schwere Entzündung abklären.
Frisch- oder altblutiger Stuhl ist ein Warnzeichen. Ein himbeergeleeartiger Stuhl ist besonders typisch für eine fortgeschrittene Invagination. Blutiger Stuhl kann aber auch im Rahmen einer Ischämie oder anderer schwerer Darmprozesse auftreten.
Notfallrelevant
Stuhlverhalt, kein Flatus, abdominale Distension
Aktion: An mechanischen Ileus oder andere Passagestörung denken.
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Stuhlverhalt, kein Flatus, abdominale Distension
Aktion: An mechanischen Ileus oder andere Passagestörung denken.
Ein aufgeblähtes Abdomen mit fehlendem Stuhl- und Windabgang, rezidivierendem Erbrechen, sichtbaren Darmschlingen oder vermehrten Darmgeräuschen spricht für eine Obstruktion. Zusätzlich müssen frühere Laparotomien, Leistenbefunde und Genitalschwellungen aktiv gesucht werden.
Notfallrelevant
Reduzierter Allgemeinzustand oder Schockzeichen
Aktion: Sofort überwachen, stabilisieren und notfallmäßig eskalieren.
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Reduzierter Allgemeinzustand oder Schockzeichen
Aktion: Sofort überwachen, stabilisieren und notfallmäßig eskalieren.
Tachykardie, arterielle Hypotonie, verlängerte Rekapillarisierungszeit, kühle Extremitäten, Oligurie, Verwirrtheit oder Vigilanzminderung sind Zeichen einer schweren Infektion, Blutung oder eines Schocks. Bei Kindern ist Tachykardie oft das erste Kreislaufwarnzeichen, Hypotonie eher ein spätes Zeichen.
Notfallrelevant
Abdominale Prellmarke / relevantes Trauma
Aktion: An intraabdominelle Blutung oder Organverletzung denken.
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Abdominale Prellmarke / relevantes Trauma
Aktion: An intraabdominelle Blutung oder Organverletzung denken.
Eine abdominale Prellmarke mit Tachykardie, Hypotonie oder zunehmendem Schmerz spricht für ein stumpfes Bauchtrauma mit Blutung oder Organverletzung. In diesem Zusammenhang muss auch an nicht-akzidentelle Verletzungen gedacht werden.
3. Sofortige chirurgische Notfälle
Hier drohen Organverlust, Ischämie, Perforation oder schnelle Kreislaufdekompensation.
Volvulus bei Malrotation
Aktion: Bei Neugeborenem oder Säugling mit galligem Erbrechen sofort kinderchirurgisch handeln.
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Volvulus bei Malrotation
Aktion: Bei Neugeborenem oder Säugling mit galligem Erbrechen sofort kinderchirurgisch handeln.
Der Volvulus gehört zu den wichtigsten kinderchirurgischen Notfällen. In bis zu 90 Prozent der Fälle tritt er im ersten Lebensjahr auf. Typisch sind galliges Erbrechen, schwerer epigastrischer oder generalisierter Schmerz, reduzierter Allgemeinzustand und rasche Dekompensation. Bildgebung kann hilfreich sein, darf die operative Versorgung bei hochgradigem Verdacht aber nicht unnötig verzögern.
Invagination
Aktion: Bei Säugling oder Kleinkind mit kolikartigen Attacken, blassem Aussehen und angezogenen Beinen sofort sonographisch abklären.
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Invagination
Aktion: Bei Säugling oder Kleinkind mit kolikartigen Attacken, blassem Aussehen und angezogenen Beinen sofort sonographisch abklären.
Die Invagination betrifft besonders Säuglinge zwischen 6 und 12 Monaten sowie Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr. Typisch sind plötzlich einsetzende Schreiattacken, Anziehen der Beine, blass-fahles oder schockiertes Aussehen und symptomfreie Intervalle. Blutiger Stuhl ist meist ein Spätzeichen. Die Sonographie ist die Methode der Wahl; die Desinvagination kann sonographisch oder radiologisch gesteuert erfolgen.
Inkarzerierte Hernie / komplette Obstruktion
Aktion: Leisten und äußere Genitale immer inspizieren und palpieren; bei harter nicht reponibler Schwellung sofort überweisen.
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Inkarzerierte Hernie / komplette Obstruktion
Aktion: Leisten und äußere Genitale immer inspizieren und palpieren; bei harter nicht reponibler Schwellung sofort überweisen.
Eine inkarzerierte Leistenhernie ist gerade im Neugeborenen- und Kleinkindalter wichtig. Schmerzen, Erbrechen und eine harte nicht reponible Leisten- oder Skrotalschwellung sind alarmierend. Kleine Hernien können leicht übersehen werden, besonders bei adipösen Kindern. Bei Verdacht auf Inkarzeration darf eine Operation nicht verzögert werden.
Ovarialtorsion
Aktion: Bei Mädchen mit abruptem stärkstem Unterbauchschmerz umgehend gynäkologisch oder kinderchirurgisch vorstellen.
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Ovarialtorsion
Aktion: Bei Mädchen mit abruptem stärkstem Unterbauchschmerz umgehend gynäkologisch oder kinderchirurgisch vorstellen.
Die Ovarialtorsion ist eine Zeitdiagnose des Jugendalters, kann aber auch bei symptomatischer Ovarialzyste oder Ovarialtumor, besonders Teratom, auftreten. Die Patientinnen können oft den genauen Schmerzbeginn benennen. Sonographisch sollte mit gefüllter Harnblase untersucht werden; ein unklarer Ultraschall darf die operative Entscheidung nicht unangemessen verzögern.
Hodentorsion / akutes Skrotum
Aktion: Bei jedem Jungen mit Bauchschmerzen die Hoden untersuchen.
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Hodentorsion / akutes Skrotum
Aktion: Bei jedem Jungen mit Bauchschmerzen die Hoden untersuchen.
Die Hodentorsion kann ein akutes Abdomen imitieren. Übelkeit, Erbrechen und Schonhaltung können im Vordergrund stehen. Auch Epididymitis und stielgedrehte Hydatide gehören zur Differenzialdiagnose. Die Bildgebung erfolgt mittels Ultraschall und Farbdoppler, bei starkem Verdacht darf die Operation jedoch nicht verzögert werden.
Komplizierte Appendizitis / Perforation
Aktion: Bei lokalisierendem Schmerz, Abwehrspannung, Fieber oder tastbarem Konglomerat unverzüglich kinderchirurgisch abklären.
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Komplizierte Appendizitis / Perforation
Aktion: Bei lokalisierendem Schmerz, Abwehrspannung, Fieber oder tastbarem Konglomerat unverzüglich kinderchirurgisch abklären.
Die Appendizitis ist die häufigste Operationsindikation im Kindesalter. Typisch sind periumbilikaler Beginn, spätere Migration in den rechten Unterbauch und lokaler Druckschmerz. Bei kleineren Kindern ist die Perforationsrate hoch und die Symptomatik oft unspezifisch. Sonographie und Entzündungswerte unterstützen die Diagnose, ersetzen aber die klinische Beurteilung nicht.
Ektope Schwangerschaft
Aktion: Bei postmenarchalem Mädchen mit akutem Unterbauchschmerz immer mitdenken.
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Ektope Schwangerschaft
Aktion: Bei postmenarchalem Mädchen mit akutem Unterbauchschmerz immer mitdenken.
Die ektope Schwangerschaft gehört zu den zeitkritischen gynäkologischen Differenzialdiagnosen im Jugendalter. Deshalb sind Schwangerschaftstest und gynäkologische Mitbeurteilung bei entsprechender Klinik obligat.
4. Altersabhängige Differenzialdiagnosen
Die Diagnosen wurden aus den Tabellen und altersbezogenen Übersichten der hochgeladenen PDFs zusammengeführt und klinisch sinnvoll verdichtet.
Neugeborene und Säuglinge
Hier dominieren angeborene Fehlbildungen, Obstruktion und frühe neonatale Notfälle.
Beim Neugeborenen müssen biliges Erbrechen, fehlender Mekoniumabgang, sichtbare Peristaltik, stark geblähtes Abdomen oder Pneumoperitoneum sofort ernst genommen werden. Zusätzlich kann die hypertrophe Pylorusstenose im Säuglingsalter mit progredientem nicht-galligem projektilartigem Erbrechen, Dehydratation und tastbarer Olivenformation imponieren.
2–5 Jahre
In dieser Gruppe überlappen infektiöse, funktionelle und chirurgische Ursachen besonders häufig.
Gerade im Vorschulalter kann eine Appendizitis eine Gastroenteritis vortäuschen. Erbrechen oder Durchfall schließen sie nicht aus. Die Lymphadenitis mesenterialis ist eine wichtige Differenzialdiagnose, darf aber nur angenommen werden, wenn zusätzlich eine normale Appendix nachgewiesen ist.
6–11 Jahre
Appendizitis, infektiöse Ursachen und extraabdominale Differenzialdiagnosen treten hier in den Vordergrund.
Im Schulalter muss die Diagnostik bei akutem Abdomen zunächst stark auf den Ausschluss einer Appendizitis ausgerichtet sein. Gleichzeitig gehören Harnuntersuchung, Thoraxbeurteilung sowie Untersuchung der Leisten- und Genitalregion dazu, weil Pneumonie, Harnwegsinfekt oder Hodentorsion ein ähnliches Beschwerdebild auslösen können.
12–18 Jahre
Im Jugendalter erweitern sich die Differenzialdiagnosen um gynäkologische und hepatopankreatobiliäre Ursachen.
Bei Jugendlichen müssen Menstruation, mögliche Schwangerschaft, akutes Skrotum und hepatobiliäre Ursachen systematisch erfasst werden. Akuter rechter Oberbauchschmerz mit Ausstrahlung in die rechte Skapula spricht eher für biliäre Ursachen, epigastrischer Schmerz mit Ausstrahlung in den Rücken eher für Pankreatitis.
5. Schmerzcharakter und klinische Einordnung
Der Schmerzcharakter lenkt die Diagnostik. Verlauf, Lokalisation und Begleitsymptome sind oft entscheidender als ein einzelner Laborwert.
Viszeraler Schmerz / Kolik
Aktion: Bei dumpfem, diffusen, krampfartigen, schlecht lokalisierbaren Schmerzen an Obstruktion oder Hohlorganprozess denken.
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Viszeraler Schmerz / Kolik
Aktion: Bei dumpfem, diffusen, krampfartigen, schlecht lokalisierbaren Schmerzen an Obstruktion oder Hohlorganprozess denken.
Viszerale Schmerzen sind häufig periumbilikal und intermittierend. Typische Konstellationen sind Invagination, Ileus, Darmkoliken, Ureterkolik oder andere Passagestörungen. Kinder wirken dann oft unruhig und wechseln ihre Position häufig.
Somatischer Schmerz / Peritonealreizung
Aktion: Bei lokalisiertem stechendem Schmerz mit Schonhaltung und Bewegungsvermeidung an Peritonitis oder fortgeschrittene Entzündung denken.
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Somatischer Schmerz / Peritonealreizung
Aktion: Bei lokalisiertem stechendem Schmerz mit Schonhaltung und Bewegungsvermeidung an Peritonitis oder fortgeschrittene Entzündung denken.
Somatischer Schmerz spricht für Reizung des parietalen Peritoneums. Die Kinder liegen eher still, atmen flach und haben Schmerzen bei Bewegung, Husten oder Erschütterung. Diese Konstellation passt zu Appendizitis, Perforation und Peritonitis.
Appendizitis-typischer Verlauf
Aktion: Bei zunächst periumbilikalem oder epigastrischem Schmerz mit späterer Migration in den rechten Unterbauch Appendizitis gezielt prüfen.
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Appendizitis-typischer Verlauf
Aktion: Bei zunächst periumbilikalem oder epigastrischem Schmerz mit späterer Migration in den rechten Unterbauch Appendizitis gezielt prüfen.
Rechter Unterbauchschmerz, Bauchdeckenabwehr und Schmerzverlagerung sind die prädiktivsten klinischen Merkmale. Zusätzliche Symptome wie Fieber, Erbrechen oder Appetitlosigkeit unterstützen die Diagnose, sind aber einzeln weder hochsensitiv noch hochspezifisch.
Rechter Oberbauch / epigastrischer Schmerz
Aktion: Hepatobiliäre Ursachen und Pankreatitis differenzieren.
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Rechter Oberbauch / epigastrischer Schmerz
Aktion: Hepatobiliäre Ursachen und Pankreatitis differenzieren.
Schmerz im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in die rechte Schulter oder Skapula spricht eher für biliäre Erkrankungen. Epigastrischer, gürtelförmiger oder in den Rücken ausstrahlender Schmerz passt zu Pankreatitis. Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleitsymptome.
Infektiös oder funktionell wirkender Verlauf
Aktion: Auch bei scheinbar viralem Verlauf den Schmerz im Verlauf reevaluieren, besonders wenn er progredient wird oder sich lokalisiert.
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Infektiös oder funktionell wirkender Verlauf
Aktion: Auch bei scheinbar viralem Verlauf den Schmerz im Verlauf reevaluieren, besonders wenn er progredient wird oder sich lokalisiert.
Gastroenteritis, Tonsillopharyngitis, virale Syndrome und funktionelle Bauchschmerzen sind häufig. Ohne Diarrhö und bei zunehmender Schmerzlokalisation sollte die Diagnose Gastroenteritis jedoch zurückhaltend gestellt werden. Funktionelle Beschwerden sind Ausschlussdiagnosen.
6. Klinische Untersuchung
Nicht nur das Abdomen untersuchen. Gerade im Kindesalter können Thorax, Leiste, Genitale oder Harnwege die eigentliche Ursache sein.
Inspektion, Haltung und Verhalten
Aktion: Schonhaltung, angezogene Beine, flache Atmung, Lagewechsel, Unruhe, Fahrigkeit oder blass-fahles Hautkolorit aktiv bewerten.
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Inspektion, Haltung und Verhalten
Aktion: Schonhaltung, angezogene Beine, flache Atmung, Lagewechsel, Unruhe, Fahrigkeit oder blass-fahles Hautkolorit aktiv bewerten.
Kinder mit Peritonitis liegen oft still in Seitenlage mit angezogenen Beinen. Kinder mit Ischämie, Torsion oder Kolik sind eher unruhig, fahrig und wechseln häufig die Position. Diese Beobachtung liefert oft schon vor der Palpation wichtige Hinweise.
Abdomen, Leisten und äußere Genitale
Aktion: Palpation des gesamten Abdomens sowie Inspektion und Palpation der Leisten- und Genitalregion immer durchführen.
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Abdomen, Leisten und äußere Genitale
Aktion: Palpation des gesamten Abdomens sowie Inspektion und Palpation der Leisten- und Genitalregion immer durchführen.
Nicht selten liegt die Schmerzursache in einer Leistenhernie, einem akuten Skrotum oder einer gynäkologischen Pathologie. Bei Jungen gehört die Hodenuntersuchung zwingend zur Bauchschmerzabklärung. Bei peripubertären Mädchen müssen gynäkologische Ursachen mitgedacht werden.
Thorax und extraabdominale Ursachen
Aktion: Basale Lunge, Pleuraspalt und Herzumgebung mitbeurteilen; klinisch auch an Otitis, Pharyngitis oder Pneumonie denken.
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Thorax und extraabdominale Ursachen
Aktion: Basale Lunge, Pleuraspalt und Herzumgebung mitbeurteilen; klinisch auch an Otitis, Pharyngitis oder Pneumonie denken.
Extraabdominale Ursachen können das Bild eines akuten Abdomens vortäuschen. Dazu gehören basale Pneumonie, Pleuritis, Otitis media, Harnwegsinfekt, diabetische Ketoazidose und andere systemische Erkrankungen.
7. Labor und Bildgebung
Die Bildgebung ergänzt die klinische Entscheidung. Methode der Wahl ist der Ultraschall. Weitere Verfahren werden gezielt ergänzt.
Basislabor
Aktion: BB, CRP, Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin, Leberwerte, Bilirubin, Lipase/Amylase, BGA mit Laktat, Harnstatus und je nach Alter Schwangerschaftstest anfordern.
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Basislabor
Aktion: BB, CRP, Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin, Leberwerte, Bilirubin, Lipase/Amylase, BGA mit Laktat, Harnstatus und je nach Alter Schwangerschaftstest anfordern.
Laborwerte helfen bei der Einordnung von Entzündung, Schock, Organfunktion und differenzialdiagnostischen Alternativen. Es gibt jedoch keinen Laborwert, der allein die Operationspflichtigkeit anzeigt. Klinischer Verlauf und Untersuchung bleiben zentral.
Ultraschall als Methode der Wahl
Aktion: Primär abdominalen und retroperitonealen Ultraschall einsetzen; basale Lunge, Pleuraspalt und Perikard mitbeurteilen.
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Ultraschall als Methode der Wahl
Aktion: Primär abdominalen und retroperitonealen Ultraschall einsetzen; basale Lunge, Pleuraspalt und Perikard mitbeurteilen.
Der Ultraschall ist besonders geeignet für Appendizitis, Invagination, freie Flüssigkeit, Cholezystitis, Pankreatitis, Ovarialtorsion, Harnwegserkrankungen, Trauma und viele weitere Ursachen. Aussagekraft und Visualisierungsrate hängen jedoch von Erfahrung, Patient und Darmgasüberlagerung ab.
Röntgen und Durchleuchtung selektiv
Aktion: Bei Perforation oder Ileus Röntgen ergänzen; Linksseitenlage mit horizontalem Strahlengang ist für freie Luft besonders hilfreich.
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Röntgen und Durchleuchtung selektiv
Aktion: Bei Perforation oder Ileus Röntgen ergänzen; Linksseitenlage mit horizontalem Strahlengang ist für freie Luft besonders hilfreich.
Bei Perforation oder Ileus sind Ultraschall und Röntgen komplementär. Bei Volvulus kann die Abdomenübersicht trotz gefährlicher Klinik unauffällig sein; bei entsprechender Konstellation kann eine obere Magen-Darm-Passage erforderlich sein.
CT oder MRT nur als Problemlöser
Aktion: Weiterführende Bildgebung individuell entscheiden; wenn möglich MRT statt CT bevorzugen.
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CT oder MRT nur als Problemlöser
Aktion: Weiterführende Bildgebung individuell entscheiden; wenn möglich MRT statt CT bevorzugen.
Die CT sollte nur in Einzelfällen als Problemlöser und mit dosisreduzierten Protokollen eingesetzt werden. Wichtiger als jede Schnittbildgebung ist jedoch, eine notfallmäßige Operation nicht zu verzögern, wenn die Klinik eindeutig ist.
Diagnosespezifische Bildgebung
Aktion: Appendizitis: US; Invagination: US und sonographisch gesteuerte Desinvagination; Volvulus: US mit Farbdoppler plus Abdomenaufnahme, ggf. MDP; Ovarialtorsion: US mit gefüllter Harnblase; akutes Skrotum: US plus FKDS.
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Diagnosespezifische Bildgebung
Aktion: Appendizitis: US; Invagination: US und sonographisch gesteuerte Desinvagination; Volvulus: US mit Farbdoppler plus Abdomenaufnahme, ggf. MDP; Ovarialtorsion: US mit gefüllter Harnblase; akutes Skrotum: US plus FKDS.
Bei Verdacht auf Inkarzeration oder akutes Skrotum darf die Operation trotz Bildgebung nicht verzögert werden. Bei chronischer Obstipation ist US initial sinnvoll; bei Verdacht auf Morbus Hirschsprung kann ein Kolon-Kontrasteinlauf zur Vordiagnostik gehören.
8. Erstmaßnahmen und Therapie
Parallel zur Diagnostik müssen Schmerz, Kreislauf und Aspirationsrisiko behandelt werden.
Frühe Analgesie
Aktion: Starke Schmerzen frühzeitig mit Opioiden behandeln; leichtere Schmerzen mit Paracetamol oder Ibuprofen.
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Frühe Analgesie
Aktion: Starke Schmerzen frühzeitig mit Opioiden behandeln; leichtere Schmerzen mit Paracetamol oder Ibuprofen.
Eine frühe Schmerztherapie ist sicher und verschlechtert klinische sowie sonographische Diagnostik nicht entscheidend. Sie verbessert vielmehr die Untersuchbarkeit.
Hydrierung und Kreislaufstabilisierung
Aktion: Venösen Zugang, Monitoring und Volumentherapie früh etablieren.
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Hydrierung und Kreislaufstabilisierung
Aktion: Venösen Zugang, Monitoring und Volumentherapie früh etablieren.
Dehydratation, Elektrolytverschiebung und Schock sind beim akuten Abdomen häufige Begleitprobleme. Dies gilt besonders bei Ileus, Gastroenteritis, Pylorusstenose, Sepsis, Perforation oder Blutung. Bei Säuglingen und Kleinkindern muss ein Volumenmangel früh erkannt werden.
Antibiotika bei Infektion, Peritonitis oder Sepsis
Aktion: Bei Verdacht auf bakterielle intraabdominelle Infektion frühzeitig kalkulierte Therapie beginnen.
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Antibiotika bei Infektion, Peritonitis oder Sepsis
Aktion: Bei Verdacht auf bakterielle intraabdominelle Infektion frühzeitig kalkulierte Therapie beginnen.
Perforierte Appendizitis, Peritonitis, intraabdominelle Infektion oder septische Verläufe erfordern eine schnelle antiinfektive Therapie parallel zur chirurgischen Planung.
Magensonde und Entlastung
Aktion: Bei Ileus, massivem Erbrechen oder Aspirationsgefahr an Magensonde denken.
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Magensonde und Entlastung
Aktion: Bei Ileus, massivem Erbrechen oder Aspirationsgefahr an Magensonde denken.
Die Magensonde dient der Entlastung und dem Aspirationsschutz. Bei Obstruktion oder schwerkranken Kindern ist sie oft Teil der initialen Akuttherapie.
Reevaluation oder stationäre Beobachtung
Aktion: Bei unklarem Verlauf wiederholt klinisch untersuchen und niedrigschwellig stationär beobachten.
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Reevaluation oder stationäre Beobachtung
Aktion: Bei unklarem Verlauf wiederholt klinisch untersuchen und niedrigschwellig stationär beobachten.
Appendizitis, frühe Obstruktion und andere Krankheitsbilder können anfangs unspezifisch sein. Wiederholte Untersuchung, Verlaufskontrolle und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind dann entscheidend.
9. Besondere Differenzialdiagnosen
Diese Diagnosen müssen bei atypischen Verläufen oder passender Konstellation ergänzend mitgedacht werden.
PIMS-TS / MIS-C
Aktion: Bei passender Vorgeschichte und Entzündungskonstellation mitdenken.
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PIMS-TS / MIS-C
Aktion: Bei passender Vorgeschichte und Entzündungskonstellation mitdenken.
PIMS kann mit rechter Unterbauchbetonung, Abwehrspannung, Darmwandverdickung, mesenterialer Lymphadenitis und freier Flüssigkeit wie ein akutes Abdomen imponieren. Die Operationsindikation muss dann besonders sorgfältig geprüft werden.
Mesenteriale Lymphadenitis
Aktion: Nur diagnostizieren, wenn eine normale Appendix nachgewiesen wurde.
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Mesenteriale Lymphadenitis
Aktion: Nur diagnostizieren, wenn eine normale Appendix nachgewiesen wurde.
Die mesenteriale Lymphadenitis ist eine wichtige Differenzialdiagnose der Appendizitis, besonders bei Kindern. Sonographisch finden sich vergrößerte mesenteriale Lymphknoten. Ohne Nachweis einer normalen Appendix ist die Diagnose unsicher.
Morbus Hirschsprung / chronische Obstipation mit Alarmzeichen
Aktion: Bei verzögertem Mekoniumabgang, distendiertem Abdomen und Ileuszeichen gezielt abklären.
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Morbus Hirschsprung / chronische Obstipation mit Alarmzeichen
Aktion: Bei verzögertem Mekoniumabgang, distendiertem Abdomen und Ileuszeichen gezielt abklären.
Mehrere Quellen betonen die neonatale Bedeutung von Morbus Hirschsprung, Analatresie und anderen Fehlbildungen. Diese Diagnosen müssen im Algorithmus sichtbar vertreten sein, auch wenn sie im Alltag seltener sind als Appendizitis oder Gastroenteritis.
Hypertrophe Pylorusstenose
Aktion: Bei Säugling mit progredientem nicht-galligem projektilartigem Erbrechen und Dehydratation sonographisch abklären.
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Hypertrophe Pylorusstenose
Aktion: Bei Säugling mit progredientem nicht-galligem projektilartigem Erbrechen und Dehydratation sonographisch abklären.
Die Pylorusstenose gehört streng genommen nicht zu den typischen Unterbauchschmerzursachen, ist aber in kinderchirurgischen Übersichten zu akuten Bauchbeschwerden des Säuglingsalters zentral. Typisch sind zunehmendes Erbrechen, Gewichtsverlust, Lethargie und gelegentlich die tastbare Olive.
Merksätze
Galliges Erbrechen ist im Kindesalter bis zum Beweis des Gegenteils eine Obstruktion.
Der Schmerzcharakter steuert die Differenzialdiagnose: Kolik, Migration, Schonhaltung und Vernichtungsschmerz sind klinisch wertvoll.
Die altersabhängigen Tabellen müssen aktiv genutzt werden; sie verändern die Vortestwahrscheinlichkeit deutlich.
Ultraschall ist die initiale Bildgebung der Wahl, aber keine Ausrede für verzögerte Chirurgie bei eindeutiger Klinik.
Nicht nur das Abdomen, sondern immer auch Leiste, Genitale, Thorax und extraabdominale Ursachen untersuchen.
Appendizitis bleibt häufig, ist aber gerade bei kleinen Kindern oft atypisch und perforiert.
Frühe Analgesie ist sinnvoll und diagnostisch vertretbar.
Ein unklarer Verlauf braucht Reevaluation, nicht vorschnelle Entwarnung.
